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Zusammenfassung

Agrarinformation und -dokumentation und der Einsatz von Information-Retrieval-Systemen. Schriftenreihe der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Nr. 88.


Schlieber, H.

1999

1 Konventionelle Mittel

 

Im Zuge des Projektes wurden die konventionellen Mittel (Bibliographien, Lexika, Handbücher) der Beschaffung und des Nachweises von selbständiger und vor allem unselbständiger Literatur (= Zeitschriftenartikel, Beiträge in Festschriften,...) zu allgemein landwirtschaftlichen Themen, aber auch zu Spezialthemen (EU: Gesetze, Richtlinien, Empfehlungen) aufrißartig und in systematischer Weise dargestellt. Die Darstellung der konventionellen oder auch papierenen Nachweismittel war vor allem in der Anfangsphase des Projekts 1994 erforderlich, weil noch kaum eine Agrarinformationsstelle Zugang zu bzw. Kenntnis von neuen Informationstechnologien hatte. Durch die seit 1997 erfolgte Anbindung der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft an das Internet war es möglich, die Nutzbarkeit der Neuen Informationstechnologien (CD-ROM, Internet) für den Bereich Literaturnachweis und Literaturbeschaffung in vielfältiger Weise anschaulich zu machen. Auch für kleinere Agrarinformationseinrichtungen ließe sich der Aktionsradius dadurch ungeheuer vergrößern. Leider verzögerte sich der für 1995 geplante Anschluß des AWI an das Internet bis in den Herbst des Jahres 1997, so daß an den Abschluß des Projektes erst mit Ende 1998 gedacht werden konnte, da ein zumindest einjähriger Beobachtungszeitraum zur Evaluierung der Effektivität des Internets für Bibliothekszwecke als notwendig erachtet wurde.

 

2 Literaturermittlung, Literaturerschließung, EDV-Einsatz

 

Schließlich konnte gezeigt werden, daß eine Verbesserung der momentanen, unbefriedigenden Situation der Agrarinformation und -dokumentation in Österreich zunächst durch eine Vereinheitlichung in den Bereichen Titelaufnahme, Beschlagwortung durch Einsatz von Regelwerken, durch Hebung des Ausbildungsstandards, durch verbesserte Kommunikation zwischen den Dienststellen, durch Fachpublikationen und vor allem durch koordinierten Einsatz von EDV-gestützten Bibliotheksverwaltungssystemen (BIS-C / Fa. DABIS) erreicht werden kann. Als möglicher Ausweg wurde die Schaffung dreier Leitstellen für Agrarinformation und -dokumentation (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, Bundesamt und Forschungszentrum für Landwirtschaft, Amtsbibliothek des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft) angeregt, die sich sowohl vom Ausbildungsstand der Mitarbeiter, von der Hard- und Software-Ausstattung, von der finanziellen Dotierung und vor allem von der Kommunikationsfreudigkeit mit verwandten Institutionen her deutlich hervorheben. Mittlerweile konnte ein Teil der in dieser Studie erarbeiteten Vorschläge - beispielsweise was den koordinierten Einsatz von Bibliothekssoftware und eine vereinheitlichte Titelerschließung angeht - an den drei genannten Leitstellen großteils unter Mitwirkung des Projektautors verwirklicht werden.

 

3 Datenbankeinsatz

 

Besonderes Augenmerk wurde und wird jedoch laufend auf einen weitgefaßten Überblick der derzeit verfügbaren agrarischen Online-Datenbanken (Literatur-DB wie AGRIS, Abstract-DB wie CAB-Abstracts, Fakten-DB wie ALFIS, Adreß-DB wie AGDB, Bibliothekskatalog-DB wie Aleph) und die immer wichtiger werdenden, teilweise parallel angebotenen CD-ROM-Datenbanken gelegt. Die bereits gesammelten Informationen über Inhalt und Verfügbarkeit der jeweiligen Datenbanken werden wiederum in einer aktuell gehaltenen Metadatenbank festgehalten, womit ein schneller Überblick über das momentane elektronische Informationsangebot jederzeit gegeben werden kann. Dazu gehört nunmehr und ganz besonders auch die Angabe von World Wide Web-Adressen, unter denen diese Datenbanken bei Bedarf vom Informationssuchenden von dessen PC-Arbeitsplatz aus direkt genutzt werden können. Seit dem Beitritt Österreichs zur EU 1995 rücken immer mehr auch EU-Online-Datenbanken bzw. EU-CD-ROM mit Bezug zu landwirtschaftlichen Fragestellungen und ganz besonders zu EU-Gesetzen und Richtlinien in den Blickpunkt des Interesses, und deshalb wurden diese in das Projekt mit einbezogen. Die Metadatenbank wurde in einem Datenbanksystem (F&A/ Fa. Symantec) angelegt, welches allerdings nicht mehr weiter entwickelt wird, weshalb eine andere Lösung des Zugangs zu den Daten gefunden werden mußte. Eine Möglichkeit wäre gewesen, die Daten in die allgemein bekannte Datenbanksoftware MS-Access zu transferieren. Hierbei hätte sich jedoch das Problem ergeben, daß die angesprochenen Internetadressen zu den jeweiligen landwirtschaftlichen Datenbanken nicht oder zumindest nicht ohne erheblichen Programmieraufwand aus MS-Access heraus gestartet hätten werden können, was wiederum eine erhebliche Minderung des angestrebten Komforts bedeutet hätte. Doch durch die Einladung zur Mitarbeit an der Linkdatenbank (=Internetadreßdatenbank der Abt. Öffentlichkeitsarbeit / BMLF im Rahmen des World-Wide-Web-Auftritts des BMLF) 1998 eröffnete sich die Möglichkeit, diese Metadatenbank in die derzeit noch in Entwicklung befindliche Linkdatenbank zu transferieren. Damit ist (bzw. wird in naher Zukunft nach Fertigstellung des Projekts Linkdatenbank) ein wichtiger Teil des Projektergebnisses in einer für jeden zugänglichen und kostenlosen Art über das Internet zugänglich gemacht. Methodisch ergibt sich dadurch eine neue, über das bloße Lesen einer Forschungsarbeit hinausreichende Rezeptions- und Anwendungsmöglichkeit.

 

4 Literaturvermittlung

 

Auf dem Gebiet der Literaturvermittlung bieten die neuen Technologien für den Auskunftsuchenden einen wesentlich komfortableren und multidimensionalen Zugang (über menügesteuerte Online-Public-Access-Catalogues = OPACs an der jeweiligen Agrarbibliothek; über Zugriff auf das WWW-Angebot der betreffenden Institution - günstigenfalls von daheim vom eigenen PC aus; über Agrarinformationssysteme, wie das BMLF sie gerade entwickelt (s. oben); über Bibliotheksverbundsysteme wie BIBOS2 bzw. das Nachfolgesystem ALEPH 500). Prinzipiell die gleichen Kanäle stehen dem Betreiber der Agrarbibliothek offen, wenn dessen (Literatur-) Informationsangebot und Dienstleistungen an die potentiellen Interessenten vermittelt werden sollen. An der Bundesanstalt selbst wurde vom Projektautor eine Variante der Informationsvermittlung gewählt, die inetwa zwischen der bibliotheksinternen, zahlenmäßig stark eingeschränkten Mitteilung von Kollege zu Kollege und dem weltweit offenen Internet liegt. Gemeint ist damit hauptsächlich die Bekanntgabe von Internetadressen (Bibliothekskataloge, nationale und internationale Agrarinformationssysteme, landwirtschaftliche Datenbanken, Volltext-Fachartikel zu unterschiedlichsten Themen, neue Angebote von Fachverlagen, Adressen diverser agrarischer Institutionen und vieles mehr ...), die in Form von Bookmarks bzw. elektronischen Lesezeichen in das lokale Netzwerk der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft unter ständiger Wartung und Aktualisierung gestellt werden, wodurch jeder Mitarbeiter des Hauses, also nicht nur der Bibliothek, beim Vorhandensein eines Internetanschlusses seinen unmittelbaren und bequemen - ein Mausklick auf eine relevante Internetadresse genügt - Nutzen daraus ziehen kann. Eine Erweiterung dieses Dienstes könnte über das Intranet (= internes Netz aller Dienststellen des Ressorts, das nach außen hin abgeschlossen ist) erfolgen.

 

5 Kooperation und Wissensvermittlung

 

Die Zusammenarbeit zwischen anderen Agrarinformationseinrichtungen, die Wissensvermittlung und die Anhebung des Bildungsstandes wurde vom Projektautor in den letzten Jahren durch Schulungstätigkeit an den beschriebenen drei Leitstellen, durch Publikation von Fachbeiträgen, durch Abhaltung von Internetschulungen, durch Bereitstellung der zahlreichen Internetadressen (ca. 5.300) für interne und externe Interessenten, durch Mitarbeit am Projekt Linkdatenbank und hoffentlich nicht zuletzt durch den vorliegenden Projektbericht, der auch als internetfähiges HTML-Dokument angeboten werden soll, versucht.

 

6 Nationale und internationale Agrardatennetze und Agrarinformationssysteme

 

Abschließend soll noch auf nationale und internationale Agrarinformationssysteme (auch Agrarinformationsnetze oder Agrardatennetze) hingewiesen werden, welche in letzter Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Sie integrieren eine Vielzahl von unterschiedlichen Informationstypen (z.B.: Adressen von Organisationen, Fachbeiträge im Volltext, Zeitschriftenübersichten, Literaturhinweise, Bibliothekskataloge, Daten und Zahlen, Datenbanken, Grafiken, Diskussionslisten, Newsgroups, Veranstaltungskalender, Stellenangebote, thematische Linksammlungen, Links zu Internet-Suchmaschinen und noch vieles mehr) unter einer bequemen Oberfläche. Sie werden außerdem redaktionell be- und überarbeitet, bieten zumeist eine gut durchdachte, klare logische Strukturierung und Benutzerführung. Üblicherweise baut das jeweilige Redaktionsteam neu im WWW erschienene und relevante Web-Adressen in sein Angebot ein, so daß man gut beraten ist, sich in einige wichtige Dienste dieser Art einzuarbeiten und damit vertraut zu machen. Als Anregung möge das Web-Angebot des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft für den Bereich Landwirtschaft dienen, welches ständig ausgebaut wird (http://www.bmlf.gv.at/land/land.htm) sowie das im Entstehen begriffene BMLF-INFOnet (http://www.bmlfinfonet.at), welches sich als Portal für themenzentrierte Plattformen aus den Bereichen Land, Forst, Wasser versteht. Daraus wird gut ersichtlich, welches umfangreiche Informationsangebot, das zudem ständig ausgebaut wird, hier bereitsteht oder zumindest in Kürze bereitstehen wird.

In Deutschland gibt es schon seit einigen Jahren das Deutsche Agrarinformationsnetz (DAINET) der Zentralstelle für Agrardokumentation und -information (ZADI). Es nennt sich Suchkatalog für Informationen in der Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft (http://www.dainet.de). Der DAINet-Suchkatalog beschreibt über 8500 Informationsquellen, u.a.

7 Informationsforen, über 20 Mailinglisten, über 5500 Adressen von Institutionen weltweit, davon über 2500 Institutionen mit Internetadressen, Newsletter mit über 1000 Abonnenten, Veranstaltungskalender mit über 400 Einträgen für aktuelle und zukünftige Termine.

Da die Themen in der Landwirtschaft sehr vielfältig sind und es viele regional bedingte gibt, werden hier weitere mehr oder weniger umfassende Agrarinformationssysteme angeboten, wobei vor allem im deutschen Raum sich schon zahlreiche Web-Angebote dieser Art seit längerem etablieren konnten, wogegen dies in Österreich erst nach und nach geschieht.

Grundsätzlich ist zur Auswahl der hier angeführten Web-Adressen zu sagen, daß diese lediglich eine subjektive und sehr begrenzte Auswahl des Autors darstellen können und eher als Anregung dienen sollen, Ähnliches im WWW aufzuspüren bzw. selbst oder in Zusammenschluß mit anderen (z.B.: Landwirtschaftskammern, das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (BMLF), etc.) eigene Angebote ins WWW zu stellen.

 

Österreich:

 

Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (http://www.bmlf.gv.at),

Bundesamt und Forschungszentrum f. Landwirtschaft (BFL) (http://www.infoland.at/)

OÖ Landwirtschaftskammer (http://www.lk-online.at/)

Agri-Net / BOKU-Institut f. Agrarökonomik (http://www.boku.ac.at/iao/agrinet/agrinet.html),

DEMENET (http://www.demenet.com/)

 

Deutschland:

 

Deutsches Agrarinformationsnetz (DAINet) (http://www.dainet.de),

Fachinformationszentrum Agrar, Datenbanken der Ernährung, Land-und Forstwirtschaft (FIZ-AGRAR) (http://www.dainet.de/FIZ-AGRAR)

@grar.de (http://www.agrar.de),

AgrarNet.De (http://www.agrarnet.de),

Fruchtnetz, Obst- und Gemüsehandel im Internet (http://www.fruchtnetz.de/)

die Landwirtschaft im Internet (http://www.unikiel.de:8080/Agraroekonomie/Abteilungen/agrarmarketing/Mitarb/US/Uschepe1.htm)

Infofarm (http://www.infofarm.de/)

Vermarktung via Internet (http://hal.edv.agrar.tu-muenchen.de/Direkt/index.html)

Produkte und Dienstleistungen vom Land (http://www.lohnunternehmer.de/)

Pflanzenschutz- und Düngemittelindustrie (http://www.iva.de/)

 

International:

 

FAOAgriculture 21 (http://www.fao.org/ag/) bzw. FAO/WAICENT (http://www.fao.org/waicent/search/default.htm)

FlowerWeb (http://www.flowerweb.nl/)

OeKoWeb (http://www.oekomedia.org/Seiten/oekoweb.html)

AgriSurf! (http://www.agrisurf.com/agrisurfscripts/agrisurf.asp?index=_25)

DEMENET (http://www.demenet.com/),

EUNITA (http://www.efita.org/eunita.asp),

Nutrition CABWeb, Ernährungsnetz (http://nutrition.cabweb.org/)

Landwirtschaftlicher Informationsdienst (LID) (http://www.lid.ch/homepage/framenutzlink.htm)

EU-Kommission: DG6 Landwirtschaft (http://europa.eu.int/comm/dg06/index_de.htm)

Schließlich soll noch festgehalten werden, daß zu Beginn der vorliegenden Arbeit im Jahre 1994 der Siegeslauf des Internets bei weitem noch nicht abzusehen war, und zu der Zeit die traditionellen bibliothekarischen und bibliographischen Fragen im Vordergrund der Studie standen. Als Ende 1997 die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft einen Internetanschluß erhielt und man mir die Aufgabe erteilte zu evaluieren, welcher Nutzen daraus für Agrarbibliotheken erwachsen könnte, öffnete sich ein Kosmos von schier unerschöpflichen, weltweiten Informationsquellen mit beinahe unendlichen Einsatzmöglichkeiten sowohl für die Agrarinformationslandschaft als auch für das Gebiet der Forschung. Ich sammelte von Anfang an relevante Internetadressen (dzt. ca. 6.000) und systematisierte diese als Favoriten bzw. Bookmarks. Allein aus dem Bereich Agrarinformationssysteme oder Agrarnetze wie z.B.: das DAINET habe ich 180 Adressen gespeichert. Bald zeigte sich, daß die Auseinandersetzung mit dem Einsatz des WWW in der Landwirtschaft den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde. Dies soll nun in einer Folgearbeit geschehen mit dem Titel: "Der effiziente Einsatz des World Wide Web als hilfreiches Werkzeug zur Bewältigung der Aufgaben des Landwirtschaftsressorts".