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Zusammenfassung

Ökonomische Perspektiven für die Almwirtschaft in Österreich im Rahmen der GAP bis 2020 und nach Auslaufen der EU-Milchquote. Agrarpolitischer Arbeitsbehelf Nr. 41 der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft


Kirner, L.; Wendtner, S.

2012-07-19

Die österreichische Almwirtschaft präsentiert sich in vielfältigen Nutzungsformen, Standorttypen und regionalen Besonderheiten, sie baut auf eine außerordentlich lange Tradition auf und erbringt mannigfaltige Leistungen für die Gesellschaft. Damit diese Leistungen flächendeckend in Österreich erbracht werden, wird die Almwirtschaft in der laufenden Programmperiode im Rahmen der EU Agrarpolitik finanziell unterstützt. In den kommenden Jahren dürften sich die Rahmenbedingungen für die europäische Landwirtschaft grundlegend ändern. Ab 2014 beginnt eine neue Periode für die Gemeinsame Agrarpolitik und 2015 läuft die EU-Milchquotenregelung aus. Beide Entwicklungen berühren wesentlich die Almwirtschaft in Österreich.

Vor diesem Hintergrund analysiert die vorliegende Studie die ökonomischen Perspektiven der Almbewirtschaftung unter diesen geänderten Rahmenbedingungen. Konkret sollen drei Fragen beantwortet werden: (i) in welchem Ausmaß trägt die Almwirtschaft in der laufenden Programmperiode zum wirtschaftlichen Erfolg der Heimbetriebe bei, (ii) wie könnte sich die Rentabilität von Heimbetrieben bzw. Almbetrieben unter einer reformierten Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2014 verändern und (iii) wie entwickelt sich das Betriebsergebnis von Milchkuhbetrieben, wenn als Folge des Milchquotenendes keine Kühe mehr gealpt werden. Generell werden aus der Studie wissenschaftliche Grundlagen erarbeitet, um Maßnahmen für eine nachhaltige Almbewirtschaftung in Österreich abzuleiten. Die Ergebnisse basieren auf zehn Fallstudien, sie schließen auf allgemeinere Erkenntnisse und liefern konkrete Hinweise auf die drei gestellten Forschungsfragen. Trotz der geringen Anzahl an Fallstudien lassen sich allgemeine Tendenzen für die österreichische Almwirtschaft ableiten.

Die Analyse der laufenden Programmperiode bis 2013 bestätigt, dass die öffentlichen Gelder der ersten (Direktzahlungen) und zweiten Säule (Ländliche Entwicklung) wesentlich zum wirtschaftlichen Erhalt der Almwirtschaft in Österreich beitragen; sie nehmen je nach Heimbetrieb zwischen ein Drittel und drei Viertel des Deckungsbeitrags der Almwirtschaft ein. Heimbetriebe profitieren vor allem durch die Anrechnung der Almfutterfläche für die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete, Gemeinschaftsalmen durch die ÖPUL-Maßnahme Alpung und Behirtung. Markterlöse haben eher für Melkalmen eine ökonomische Bedeutung und nehmen ein Viertel bis ein Drittel des Deckungsbeitrags der Almwirtschaft ein.

Die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2014 wird während des Projektzeitraums 2011/2012 verhandelt. Das Design der Prämien für landwirtschaftliche Betriebe bzw. Flächen hat jedenfalls höchste Relevanz für die wirtschaftliche Zukunft der Almwirtschaft. Eine einheitliche Flächenprämie für das gesamte Bundesgebiet und unveränderte Prämiensätze aus der Ländlichen Entwicklung würden das Einkommen von typischen Betrieben mit Almbewirtschaftung ab 2014 steigern. Eine spürbare Differenzierung der Prämien aus der ersten Säule einerseits oder eine 20prozentige Kürzung der Gelder für die Ländliche Entwicklung andererseits verändern das Einkommen von typischen Betrieben mit Almbewirtschaftung im Vergleich zur laufenden Programmplanungsperiode kaum. Demgegenüber verringert sich das Einkommen in allen hier untersuchten Betrieben bei einer spürbaren Reduktion der Flächenprämien für extensives Grünland in der ersten Säule und einer gleichzeitigen Kürzung der Gelder für die Ländliche Entwicklung. Daraus lässt sich schließen, dass es eine längerfristige ökonomische Perspektive der Almwirtschaft nur dann geben kann, wenn nicht beides gleichzeitig eintrifft. Betriebe mit Almbewirtschaftung haben deutlich weniger Spielraum, Kürzungen von Prämien über Produktionssteigerungen abzufedern als Betriebe in Gunstlagen.

Auswertungen belegen die Tendenz, dass sich die Almwirtschaft in Österreich tendenziell von der arbeitsintensiven Almmilchproduktion hin zu arbeitsextensiveren Nutzungsformen verlagert. Generell ein Beleg dafür, dass in der Vergangenheit die Attraktivität der Alpung von Milchkühen in Österreich nachgelassen hat. Ob es nach dem Ende der EU-Milchquotenregelung noch attraktiver wird, keine Kühe mehr zu alpen, lässt sich aus der Studie naturgemäß nicht pauschal beantworten. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen der Betriebe mit Melkalmen. Trotzdem lässt sich aus der Studie und weiterführenden Überlegungen folgern, dass in Zukunft noch mehr Betriebe ihre Kühe nicht mehr auf die Alm auftreiben könnten. Zum einen sprechen dafür die strukturellen Veränderungen in der Milchkuhhaltung in Österreich: immer größere Herden und höhere Milchleistungen je Kuh. Zum anderen konstatieren die vorliegenden Berechnungen, dass das Einkommen der Betriebe ohne Alpung mittel- bis längerfristig gesteigert werden kann, wenn Flächen im Umkreis des Heimbetriebes gepachtet werden können. Nicht berücksichtigt wurden in den Berechnungen mögliche Flächenreserven am Heimbetrieb oder überhaupt die Intensivierung der Milchproduktion, wenn keine Kühe mehr gealpt werden. Ohne Pachtmöglichkeiten dürfte weiterhin der Auftrieb auf die Alm wirtschaftlicher sein, wobei hier berücksichtigt werden muss, dass die fehlende Fläche teilweise auch durch Futterzukauf kompensiert werden kann. Darüber hinaus bestätigen die Kalkulationen, dass insbesondere Almen mit Fremdarbeitskräften bei Wegfall der Milchquote nicht mehr mit Milchkühen bestoßen werden könnten. Selbst bei den in der Studie gewählten moderaten Annahmen für die Arbeitskosten auf dem Almbetrieb rentiert sich schon kurzfristig der Ausstieg aus der Kuhalpung.

Damit die Almwirtschaft in Österreich auf ähnlichem Niveau wie in der laufenden Programmperiode bis 2013 betrieben werden kann, erfordert es in Zukunft vielfältiger Maßnahmen. Zum einen braucht es weiterhin finanzielle Mittel, um bei noch mehr Wettbewerb in der Landwirtschaft mit Almen wirtschaftlich reüssieren zu können; ob die Gelder dafür eher aus der ersten oder der zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik fließen, spielt dabei nicht die große Rolle. Wichtig ist, dass sich die Höhe der Prämien vornehmlich an den aufgetriebenen Tieren orientiert, damit Almen auch in Zukunft durch Tiere gepflegt und erhalten werden. Da die Melkalmen durch das Auslaufen der Milchquote weiter unter Druck kommen könnten, sind diese besonders bei einem künftigen Programm einzubeziehen. Neben der Förderpolitik müssen jedoch noch weitere Maßnahmen für eine wirtschaftlich nachhaltige Almbewirtschaftung thematisiert werden. Unter anderem die Frage, wie die Wertschöpfung vor allem der Milchproduktion auf Österreichs Almen gesteigert werden kann. Oder das Problem, wie auch in Zukunft qualifizierte Arbeitskräfte für die österreichische Almwirtschaft zu gewinnen sind. Neben den in der Studie thematisierten ökonomischen Anreizen sind somit weitere Aspekte für eine längerfristige Almbewirtschaftung in Österreich zu integrieren.


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