Fachtagung

„Eiweiß – Baustein des Lebens" >

Zusammenfassung

Ökonomische Perspektiven der Schaf- und Ziegenhaltung in Österreich ab 2014. Agrarpolitischer Arbeitsbehelf Nr. 42 der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft.


Hambrusch, J.; Kirner, L.

2013-07-29

Unabhängig von der Ausgestaltung künftiger Förderprogramme zeigt die Studie auch die große wirtschaftliche Streubreite der Schaf- und Ziegenhaltung auf. In erster Linie entscheidet das gewählte Produktionssystem (Fleisch, Milch, Zucht) und die Betriebs- bzw. Herdengröße über das ökonomische Potenzial. Mit der Erzeugung von Milch und deren Lieferung an Verarbeitungsbetriebe ist es eher möglich, mit Schafen oder Ziegen im Haupterwerb zu wirtschaften. Direktvermarktungsaktivitäten können zu einer Erhöhung des Einkommens beitragen, wurden in der vorliegenden Arbeite jedoch nicht weiter betrachtet.

Die Wirtschaftlichkeit der Schaf- und Ziegenhaltung hängt - wie bei anderen Produktionsverfahren - hauptsächlich von den Produktionsbedingungen und der Produktionstechnik sowie den ökonomischen Rahmenbedingungen (z.B. Milch- Lämmerpreis, Vermarktungsmöglichkeiten) ab. Als wesentliche Faktoren beeinflussen die Produktpreise und die biologische Leistungsfähigkeit den Deckungsbeitrag der Betriebszweige. Im Gegensatz zu den Preisen, die nur bedingt über die produzierten Qualitäten beeinflusst werden können (z.B. Milchqualität), spielen für die biologischen Leistungen die Betriebsmanagementfähigkeiten der BetriebsleiterInnen eine große Rolle. Das betrifft sowohl die produzierte Menge an Milch als auch die Zahl der verkauften Lämmer. Schon geringe Abweichungen bei dieser Kennzahl führen zu großen Unterschieden auf Betriebszweigebene, wie die Berechnungen belegen. Daher ist es wichtig, dass die Produktionstechnik ständig kontrolliert und bei Bedarf verbessert wird.

Aus den Berechnungen können einige allgemeingültige Aussagen abgeleitet werden. Die Schaf- und Ziegenmilchproduktion weist eine außerordentlich hohe Flächenproduktivität aus, die in der Regel die Milchkuhhaltung deutlich übertrifft. Die Milcherzeugung mit Kleinwiederkäuern ist daher für jene Betriebe zu empfehlen, die bei geringer Flächenausstattung im Haupterwerb wirtschaften wollen. Die Milchschaf- bzw. Milchziegenhaltung ist jedoch sehr arbeitsintensiv, weshalb zur Erwirtschaftung eines zufriedenstellenden Arbeitsverdienstes ein entsprechendes Milchleistungsniveau erreicht werden muss. Im Gegensatz zu den betrachteten Betriebszweigen mit Milchlieferung könnte durch einen Direktverkauf oder die Weiterverarbeitung der Milch der Arbeitsverdienst erhöht werden. Die Flächenproduktivität der fleischerzeugenden Betriebszweige liegt deutlich darunter. Eine Möglichkeit zur Verbesserung des Einkommensbetrags bietet der Zuchttierverkauf. Abschließend lässt sich ableiten, dass die Schaf- und Ziegenhaltung eine wirtschaftliche Alternative für Familienbetriebe in Österreich darstellt. Vor einem Einstieg in die Kleinwiederkäuerhaltung sind aber die betrieblichen Voraussetzungen genau zu prüfen und detaillierte Informationen über die Produktionstechnik zu sammeln.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Schaf- und Ziegenhaltung dürfte nach einem Umstieg des Betriebsprämienmodells auf ein Flächenmodell speziell im Grünland höher werden. Dies betrifft auch einen Vergleich mit der Mutterkuhhaltung, da dort die gekoppelten Prämien wegfallen werden. Wie die Ergebnisse der Arbeitskreise zeigen, schwanken die wirtschaftlichen Ergebnisse zwischen den Betrieben enorm. Künftig muss eine weitere Professionalisierung der Schaf- und Ziegenhaltung vorangetrieben werden, das schließt auch das Management von größeren Herden mit ein.

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